Freitag, 25. März 2016

Historischer Rahmen von "Nur der Tod vergisst"

Die Fluchtroute der drei SS-Männer entspricht der sog. Rattenlinie, die über Südtirol verlief und mit Hilfe des Roten Kreuzes und vor allem der katholischen Kirche vielen Kriegsverbrechern die Flucht nach Lateinamerika und Nordafrika ermöglichte.

Die erwähnten Schauplätze und Kriegsverbrechen sind authentisch. Beispiele:

§  In der deutschen Geschichtswahrnehmung wurde erfolgreich das Hinmorden sowjetischer Kriegsgefangener verdrängt. Von 5 Millionen sowjetischen Soldaten, die den Deutschen in die Hände fielen kamen 3,3 Millionen um (zum Vergleich: 3,15 Millionen deutsche Soldaten gerieten in sowjetische Hände, wovon 1,11 Millionen starben).
§  In den Rheinwiesenlagern der US-Amerikaner kamen kurz nach Kriegsende durch Unterernährung und katastrophale hygienische Verhältnisse bis zu 10.000 deutsche Soldaten ums Leben.
§  Oradour-Sur-Glane war ein Dorf im Südwesten Frankreichs, dessen Bevölkerung bis auf sechs Überlebende von der SS ermordet wurde. Kleine Kinder, Männer und Frauen wurden ohne Ansehen der Person oder des Alters umgebracht. In der Nähe des Dorfes hatte ein Partisanenüberfall stattgefunden. Die  3. Kompanie des zur 2. SS-Panzer-Division „Das Reich“ gehörenden SS-Panzergrenadier-Regiments 4 „Der Führer“ war zuvor im Einsatz an der Ostfront. Nach Aussagen von Angehörigen dieser Einheit fand diese ein solches Verbrechen durchaus nicht ungewöhnlich.
§  Nach dem Krieg war den Alliierten nicht klar, ob Südtirol Österreich oder Italien zugesprochen werden sollte. Außerdem hat die Wehrmacht mit Hilfe der SS eine vorzeitige Kapitulation der deutschen Truppen in Italien gegen den Willen Hitlers ermöglicht. Dadurch war eine gewisse Zeit eine Kooperation deutscher und amerikanischer Truppen möglich. Das rechtliche Niemandsland Südtirol wurde nicht nur von Nazis zur Flucht genutzt, sondern es war auch ein Durchgangslager für jüdische Flüchtlinge, die illegal nach Palästina auswandern wollten. Ein Zusammentreffen von SS-Angehörigen und Juden war deshalb durchaus nicht unwahrscheinlich.
§  Die Person von Schlemm hat als Vorbild Friedrich Schwend, der als SS-Sturmbannführer und Organisator der Operation Bernhard englische Pfund fälschte und der SS als Devisenbeschaffer diente. Später arbeitete er für den amerikanischen Geheimdienst, bis er in Argentinien untertauchte.
§  Die Bombardierung Pforzheims am 23. Februar 1945: 369 Flugzeuge der britischen Luftwaffe zerstörten mit 28000 Zentner Bomben 80 % der Gebäude der Kernstadt; über 18 000 Menschen mussten qualvoll sterben. Im eigentlichen Kernbereich Pforzheims sollen insgesamt 3 Menschen überlebt haben. Die militärische Notwendigkeit einer solchen Zerstörung ist bis heute äußerst fragwürdig.
§  In der Osterfeldschule in Pforzheim befand sich das Lazarett der Armee. Es brannte zwar aus, aber alle Insassen konnten evakuiert werden und kamen in der benachbarten Kirche unter.
§  In den KZs wurden Bordelle eingerichtet, um den kooperierenden Häftlingen Prostituierte anzubieten. Die Frauen waren meist  als asozial inhaftierte Gefangene, wobei als asozial auch galt, sich nicht in den Bund deutscher Mädchen BDM, aufnehmen zu lassen. Diese Bordelle waren für die Angehörigen der SS verboten. Bei einem Verstoß drohte ein SS-Gericht. Die SS hatte eigene Bordelle außerhalb der KZs.
§  In Argentinien fanden viele Nazis durch den dortigen Präsidenten Perón Unterschlupf.
§  Chile hat einen sehr traditionsreichen deutschen Bevölkerungsanteil. Das deutsche Krankenhaus, die Clínica Alemana de Santiago, wurde 1905 gegründet und besteht bis heute.
§  Rapa Nui, die Osterinsel, stand bis 1956 unter Quarantäne, weil die Lepra eingeschleppt wurde. Erst danach durften ihre Bewohner wieder auf das chilenische Festland. Pater Sebastian Englert lebte ab 1937 auf der Insel und machte sich um die Sprache und Kultur Rapa Nuis verdient. 1969 wurde er dort beigesetzt.


Zu weiterführenden Links und Leseempfehlungen besuchen Sie bitte meine Webseite: http://www.peterhakenjos.de/Tod-vergisst-bibliografie.html

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen